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Rezensionen juristischer Literatur

Das Mandat im Verkehrszivilrecht

Hillmann/Schneider, Das verkehrsrechtliche Mandant. Bd. 2.: Verkehrszivilrecht, 8.Aufl., 2020

Eine Rezension zu: 

Klaus Schneider (Hrsg.)

Das verkehrsrechtliche Mandat, Band 2: Verkehrszivilrecht

Das verkehrsrechtliche Mandant

Band 2: Verkehrszivilrecht

8. Auflage

Bonn: AnwaltVerlag, 2020, 899 S., 94,00 Euro

ISBN 978-3-8240-11626-6

www.anwaltverlag.de

 

Der in achter Auflage erschienene Band ist der ideale Leitfaden für die Bearbeitung verkehrszivilrechtlicher Mandate. Entsprechend der Praxisrelevanz hat die Neuauflage einen noch deutlicheren Schwerpunkt auf das Regulierungsverhalten der Assekuranz gelegt. Die Darstellung verfolgt insoweit das Ziel im Interessen der Geschädigten, die andernfalls dem Regulierungsverhalten der Assekuranz nahezu hilflos ausgeliefert wären, den dringend erforderlichen Schutz durch die Anwaltschaft zu vermitteln. In der Tat wird das Regulierungsverhalten der Assekuranz hier völlig offen aufgedeckt, was sich durchaus auch bei anderen Versicherungssparten zeigt. Das Handbuch hat den Stand von April 2020.

Ein weiterer Schwerpunkt der Neubearbeitung liegt in der Aufarbeitung der versicherungsrechtlichen Einflüsse auf das Verkehrszivilrecht, etwa im Hinblick auf das quotale Leistungskürzungsrecht und den Obliegenheiten bei unterlassener Anpassung der AKB. Auch die BGH – Rechtsprechung zum Sachschadensrecht wird intensiv eingearbeitet, da diese Rechtsprechung inzwischen seit der ZPO – Reform nach und nach alle Detailaspekte klärt, was eine exakte Kenntnis dieser Rechtsprechung verlangt. Prozesse macht dies kaum kalkulierbar, so dass die Versicherungen es immer öfter auf Prozesse ankommen lassen und dort üblicherweise streitig stellen, was streitig gestellt werden kann. Ein besonderer Schwerpunkt der Neuauflage stellt die Einarbeitung der Rechtsprechung des BGH zum Sachschaden dar, insbesondere etwa zur Ermittlung des Restwertes.

Besonders relevant sind auch die jeweiligen Ausführungen zu prozessrechtlichen Fragestellungen, die immer öfter Fragen des Beweisrechts hinsichtlich der Nutzung digitaler Medien betreffen, zumal Fahrzeuge mit immer mehr Computertechnik ausgestattet sind. Als Beispiel mag die Verwertung von Aufnahmen aus einer Dash-Cam genügen.

Dem Leser wird in diesem Band in einer äußerst ansprechenden Systematik – die auf den Leser mit wenig Zeit zielt – alles Wesentliche vermittelt, was er für die Bearbeitung derartiger Fälle wissen muss. Das erste Kapitel zeigt auf, wie man ein solches Mandat rationell und zeitsparend bearbeitet. Die Haftung dem Grunde nach wird detailliert aufgearbeitet, wobei prozessuale Aspekte ständig angesprochen werden. In diesem Zusammenhang sind die Kapitel über die “Aktivlegitimation”, die “Passivlegitimation und prozessuale Grundlagen” sowie das wichtige Kapitel zum Quotenvorrecht sehr lesenswert. Interessant sind auch die Ausführungen zur Abtretung und ggf. Rückabtretung von Schadensersatzansprüchen, besonders an Sachverständige, wobei auf die praxisrelevanten Fallstricke eingegangen wird.

Die weiteren Kapitel gehen auf nahezu alle denkbaren Konstellation beim Haftungsumfang ein, sowohl bei Personenschäden als auch bei Sachschäden. Die Praxisnähe der Darstellung zeigt sich etwa bei den Erörterungen über die Themen “Vergleich und Verjährung” sowie beim Exkurs zum Versicherungsrecht im Verkehrsrecht, da dieser Bereich das Verkehrszivilrecht geradezu beherrscht, der von einer Vielzahl unterschiedlicher Klauselwerke gekennzeichnet ist. Die hier aufzufindenden Versicherungsbedingungen werden detailliert analysiert, mit Empfehlungen zur Vorgehensweise.

Folgende Neuerungen wurden u.a. in die 8. Auflage dieses Standardwerkes eingearbeitet:

  • Weiterentwicklung der Rechtsprechung vor allem im Bereich des Sachschadens, z.B. hinsichtlich der Details bei der Verweisung des Geschädigten auf eine nicht markengebundene Fachwerkstatt und der zutreffenden Ermittlung des Restwerts bei der Abrechnung auf Wiederbeschaffungsbasis.
  • Eine Vielzahl wichtiger höchstrichterlicher Entscheidungen, wie z.B. zu
      • der Zulässigkeit der Verwertung von Dashcam-Aufzeichnungen,
      • den Grenzen der zulässigen Vermischung fiktiver und konkreter Abrechnung mit den Folgen bei der Mehrwertsteuererstattung,
      • den Voraussetzungen der Erstattung von Sachverständigenkosten, UPE-Aufschlägen, Verbringungskosten und Beilackierungskosten,
      • der Relevanz eines Vermittlungsangebotes des Haftpflichtversicherers hinsichtlich eines Mietwagens,
      • den Voraussetzungen einer Nutzungsausfallentschädigung,
      • den Voraussetzungen und Bemessung der bei einer Unfallregulierung zu erstattenden Rechtsanwaltskosten,
      • den (verbleibenden) Schadensersatzansprüchen nach Inanspruchnahme der Vollkaskoversicherung,
      • der Wirksamkeit der Abtretung von Schadensersatzansprüchen an Sachverständige
  • Die aktuelle Sterbetafel 2016/2018.

Neue Themen sind u.a.

  • das gesetzlich neu eingeführte Hinterbliebenengeld,
  • die Diskussion über die grundsätzliche Zulässigkeit der fiktiven Abrechnung,
  • ein kurzer Überblick über die in der Praxis zunehmend relevante Fahrerschutzversicherung.

Dieser interessante, hochinformative Band enthält alle Informationen, die ein Anwalt zur rationellen Bearbeitung von Fällen im Bereich des Verkehrszivilrechts benötigt.

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