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Rezensionen juristischer Literatur

Der Praxis – Kommentar zum GmbHG

Noack/Servatius/Haas, GmbHG, 23. Auflage, 2022, C.H.Beck

 

Eine Rezension zu: 

Abbildung von Noack / Servatius | Gesetz betreffend die Gesellschaften mit beschränkter Haftung: GmbHG | 23. Auflage | 2022 | Band 20 | beck-shop.de

Ulrich Noack/Wolfgang Servatius/Ulrich Haas

Gesetz betreffend die Gesellschaften mit beschränkter Haftung

(GmbHG)

23. Auflage

vormals: Baumbach/Hueck

München: C.H.Beck, 2351 S., 179 Euro inkl. MwSt.

ISBN 978-3-406-77268-9

Das Werk ist Teil der Reihe: Beck’sche Kurzkommentare, Bd. 20

www.beck-shop.de

Die 23. Auflage dieses sehr beliebten Kommentars zum GmbH – Recht mit einer langen Tradition enthält in weiten Teilen eine Neubearbeitung der Kommentierung unter Einschluss der gesellschaftsrechtlichen Sonderregeln der COVID19-Gesetzgebung, mit Verfallsdatum. Diese Auflage ist gleichzeitig eine Zäsur, weil nunmehr die Namen von Baumbach und Hueck aus bekannten Gründen im Titel nicht genannt werden, sondern die neuen Herausgeber, die eine deutliche „Modernisierung“ der Kommentierung vorgenommen haben. Die Konzeption hingegen, hat sich nicht geändert, so dass diese Zäsur keine inhaltlichen Auswirkungen hat.

Die Kommentierung zielt auf eine konstruktive Lösung der alltäglichen Problemfälle des GmbH – Rechts vor dem Hintergrund einer präzisen und kritischen Analyse der Rechtsprechung, wobei im jeweiligen Zusammenhang auch auf nach wie vor zahlreich bestehende Streitfragen eingegangen wird. Die Neuauflage greift alle Aspekte der raschen Entwicklungen seit Erscheinen der Vorauflage im Jahr 20 auf und setzt teilweise neue Akzente in der Kommentierung, zumal die Verbindungslinien zum Insolvenzrecht und zum Steuerrecht immer enger werden. Dies insbesondere deshalb, weil der Gesetzgeber mit dem SanInsFoG die zahlreichen Schnittstellen zwischen dem Insolvenzrecht und dem Gesellschaftsrecht neu justiert hat. Dies betrifft insbesondere die Aufhebung des § 64 GmbHG, der in einer neugefassten Regelung nunmehr Bestandteil des Insolvenzrechts ist. Wie ein roter Faden ziehen die Themen Vorkrise, Krise und Sanierung durch die neugefassten Kommentierungen, wobei das StaRUG entsprechend berücksichtigt wird.

Die Bedeutung dieser Rechtsform erschließt sich aus der Anzahl von ca. 1.000. 000 GmbHs in Deutschland, so dass diese Rechtsform eine erhebliche wirtschaftliche Bedeutung aufweist, die sich durch ein zu verzeichnendes Downsizing bei der AG noch verstärkt hat. Wie bisher, erläutert dieser Kommentar in knapper, präziser und verständlicher Sprache das GmbHG unter Einschluss des GmbH-Konzernrechts unter Einschluss insolvenzrechlicher, handelsrechtlicher, bilanzrechtlicher, steuerrechtlicher und aktienrechtlicher Bezüge des GmbH-Rechts sowie weitere rechtliche Aspekte wie etwa der Geldwäscheprävention. Die Kommentierung ist problemorientiert und bietet praktische Lösungsmöglichkeiten, nicht nur für “Standardfälle”. Dieser vorzügliche Kommentar sollte jedem Unternehmer, jedenfalls aber deren Beratern, zur Verfügung stehen. Er wird von den Gerichten überwiegend benutzt.

Die 23. Neuauflage

enthält insbesondere:
  • das Gesetz zur Umsetzung der Digitalisierungs-RL, u.a. zur Onlinegründung von GmbHs
  • das FüPOG II mit dem neuen § 77a GmbHG
  • eine eingehende Darstellung der gesellschaftsrechtlich wichtigen Sachverhalte rund um Krise und Insolvenz einer GmbH nach dem SanInsFoG
  • die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf das Gesellschafts- und Unternehmensinsolvenzrecht
  • alle maßgeblichen BGH-Entscheidungen, etwa zur Einziehung von Geschäftsanteilen und zum einstweiligen Rechtsschutz bei der Gesellschafterliste sowie zu statutarischen Öffnungsklauseln.

Die Neuauflage wertet eine Fülle an Literatur und Rechtsprechung aus, deren Analyse in verwertbare Lösungen für Praxis und Wissenschaft einmünden. Erfasst sind davon etwa Auswirkungen der Änderungen bei der Gesellschafterliste, die Änderungen beim Konzerninsolvenzrecht, die geänderte Rechtsprechung zur Haftung im Rahmen der Insolvenz unter Einschluss der Beraterhaftung, die Entscheidung zur Einziehung von Gesellschafteranteilen, neue Entwicklungen beim Gesellschafterdarlehen oder etwa die relevanten Änderungen des Insolvenzrechts, um nur die wichtigsten Bereiche zu nennen. Die Kommentierung zeigt dem Nutzer des Kommentars stets den richtigen Weg und bewahrt damit vor Irrwegen. Der Kommentar hat den Stand von August/September 2021.

Bekanntlicherweise steht zwar die Analyse der Rechtsprechung (auch der Oberlandesgerichte) im Vordergrund, doch greift der Verfasser alle relevanten Streitfragen auf und entwickelt teilweise neue Ansätze auf der Basis einer fundierten Kritik der Lösungsmodelle der Rechtsprechung, wobei Neubearbeitung teilweise durchaus neue Akzente setzt. Unbeschadet dessen sind diese Lösungsvorschläge stets praxisbezogen.

Dabei wird insbesondere dem Umstand Rechnung getragen, dass die Regelungsdichte des GmbHG weitaus geringer als im AktG gesetzt und hier Regelungslücken bestehen, bei denen die Rechtsprechung prägend ist, wie etwa beim GmbH – Konzernrecht und beim Beschlussmängelrecht. Das internationale GmbH-Recht wird im Rahmen des § 4 a GmbHG eingehend erläutert, etwa hinsichtlich der Beratern immer wieder gestellten Standardfrage, ob eine identitäts- und rechtsformwahrende Sitzverlegung in das Ausland möglich ist oder nicht.

Bei den eingearbeiteten Entscheidungen zu nennen sind etwa die Entscheidungen des BGH zur Korrektur einer unrichtigen notariellen Gesellschafterliste durch den Geschäftsführer, zur Auslandsbeurkundung, zur Aufrechnung gegenüber einem Erstattungsanspruch aus § 64 GmbHG, zur Haftung für massenverkürzende Zahlungen der Gesellschaft, zur Rückzahlungspflicht für Zinsen nach den Regeln des Eigenkapitalrates genannt. Ein Schwerpunkt der Neubearbeitung liegt etwa bei den Gesellschafterdarlehen, die im Anhang zu § 30 im Zusammenhang handbuchartig dargestellt werden, unter intensiver Einziehung des Anfechtungsrechts und der Regelungen Insolvenzrechts insbesondere zu Nachrangdarlehen. Diese Materie ist mit der Aufhebung der Regeln im GmbHG nicht verschwunden, sondern hat sich überwiegend in das Insolvenzrecht verlagert, dessen Regelungen hier im Überblick erläutert werden, so dass die Darstellung die verstreuten Regelungen in einen systematischen Zusammenhang bringt.

Der Leser wird in dieser Kommentierung über den relevanten Meinungsstand möglichst vollständig informiert.

Dieser herausragende Kommentar bietet auf ca. 2.500 Seiten eine exzellente, praktisch fast neue, Darstellung des GmbH – Rechts, die mit jeder Auflage neue Maßstäbe setzt und die Praxis maßgeblich beeinflusst.

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