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Rezensionen juristischer Literatur

Handbuch Anwaltshaftungsrecht

Vollkommer/Greger/Heinemann, Anwaltshaftungsrecht, 5. Aufl., 2020, C.H.Beck

Eine Rezension zu:

Abbildung von Vollkommer / Greger | Anwaltshaftungsrecht | 5. Auflage | 2021 | Band 50 | beck-shop.de

Max Vollkommer/Reinhard Greger/Jörn Heinemann

5., Auflage


München: Verlag C. H. Beck, 2021, 417 S., Euro 89,00 inkl. MwSt.

Reihe: NJW-Praxis

ISBN 978-3-406-72067-3

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Anwälte setzen sich erheblichen Haftungsrisiken aus. Dieses Handbuch bietet eine umfassende, systematische Darstellung zur Feststellung und Beurteilung anwaltlicher Pflichtverletzungen, deren Grundlage sowie deren Folgen. Es erlaubt dem betroffenen Rechtsanwalt – die Steuerberaterhaftung funktioniert sehr ähnlich – eine fundierte Selbsteinschätzung der Haftungslage anhand der maßgeblichen Rechtsprechung auf aktuellem Stand. Im Bereich der gesamten Haftung der freien Berufe ist die Rechtslage durch die Rechtsprechung maßgeblich geprägt, sodass nur derartige Darstellungen noch eine souveräne Einschätzung des einschlägigen Fallrechts erlauben.

Die 5. Auflage berücksichtigt insbesondere die seit der Vorauflage ergangene Rechtsprechung und geht auf zahlreiche aktuelle Entwicklungen in diesem Bereich ein, die sich nicht mehr allein auf die Haftung gegenüber Mandanten beschränken. In neuen Schwerpunkten berücksichtigt wird das Haftungsrecht der Syndikusanwälte, die Haftung für automatisierte Rechtsdienstleistungen im Bereich Legal Tech und etwa die zunehmenden Versuche von Rechtsschutzversicherungen Haftungszenarien gegen von Mandanten beauftragte Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte zu realisieren. Ebenfalls eingehend berücksichtigt – jeweils unter Einbeziehung der versicherungsrechtlichen Aspekte – wird die Haftungssituationen bei Gesellschaftsformen mit beschränkter Beruftshafung, insbesondere bei der GmbH und der Partnerschaftsgesellschaft. Dabei werden auch ausländische Körperschaften berücksichtigt, wobei sich für UK die Problematik des Brexit ohne Austrittsvertrag bald realisieren könnte. Erfreulicherweise geht die Neuauflage auch auf die Haftung von anwaltlichen Mediatoren ein und berücksichtigt das Schlichtungsverfahren bei der BRAK eingehend. Das Werk hat den Stand von August 2020.

Der erste Teil behandelt sehr umfassend die allgemeinen Haftungsvoraussetzungen, ausgehend von der Stellung des Rechtsanwalts, um sodann den Mandantenvertrag und das aus ihm folgenden Pflichtenprogramm näher zu analysieren, dass insbesondere vom BGH sehr weit gezogen wird. Dem Rechtsanwalt sind sehr weitreichende Aufklärungspflichten auferlegt, die zu einer möglichst umfassenden Beratung über bestehende Risiken zwingen, die im Idealfall auch entsprechend zu dokumentieren sind. Dem sichersten Weg verpflichtet, stellen sich für den Anwalt fast überall Haftungsrisiken, so auch bei der Beachtung von Weisungen des Mandanten, die der Rechtsanwalt nicht sklavisch befolgen darf, will er seine anwaltliche Unabhängigkeit nicht verlieren. Problematische Weisungen führen zu umfassenden Beratungspflichten bis hin zu einer umfassenden Eigensicherung bei Festhalten des Mandanten an der Weisung, die auch in einer Mandatskündigung enden können. Intensiv dargestellt werden die Probleme der Verschwiegenheitspflicht und deren Durchbrechung dargestellt und die vertragliche Haftung mit der deliktischen Haftung kontrastiert.

Da die Verletzung des Pflichtenprogramms die entscheidende Vorfrage für die Haftung aus dem Mandat ist, werden die Anwaltspflichten im 2. Teil umfassend erörtert. Näher behandelt werden die Fragen der Zurechnung ebenso wie die Schadensberechnung unter Berücksichtigung eines Mitverschuldens des Mandanten nebst Schadensminderungspflicht. Eingehend berücksichtigt werden auch etwaige gebührenrechtliche Folgen von Pflichtverstößen und die Aufrechnungsproblematik. Beweis- und Beweislastfragen sowie die sekundäre Darlegungslast werden eingehend einbezogen.

Teil 3 geht auf weitere Haftungsvoraussetzungen wie Verschulden und Schadensnachweis ein, während Teil 4 die Haftungsschranken eingehend erörtert.Hierzu zählen auf der einen Seiten vertragliche Haftungsbeschränkungen, aber auch gesellschaftsvertragliche Haftungsbeschränkungen. Sehr beeindruckend ist die ausführliche Darstellung der Verjährungsproblematik, gefolgt von einem Teil 5, der alle maßgeblichen Beweisfragen zusammenfassend darstellt.

In Teil 6 werden die versicherungsrechtlichen und prozessrechtlichen Aspekte behandelt. Insbesondere die Deckungskonzepte in den Allgemeinen Versicherungsbedingungen die zahlreichen Ausschlüsse werden hier mit den Besonderheiten für Sozietäten eingehend dargestellt.

Ausgebaut wurde der letzte Teil, der ein umfassendes ABC typischer Haftungsfälle mit der dazu ergangenen Rechtsprechung enthält. Im Falle einer drohenden Haftung sollte dieser Teil sofort konsultiert werden.

Dieses vorzügliche Handbuch zur Anwaltshaftung bietet auch in dieser Auflage eine souveräne Aufarbeitung des gesamten Rechts der Anwaltshaftung und wertet die Rechtsprechung im Detail aus.

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