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Rezensionen juristischer Literatur

Kommentar zum Strafgesetzbuch

Matt /Renzikowski (Hrsg.), Strafgesetzbuch: StGB, 2. Auflage, 2020, C.H.Beck

Eine Rezension zu:

Abbildung von Matt / Renzikowski | Strafgesetzbuch: StGB | 2. Auflage | 2020

Holger Matt / Joachim Renzikowski

Strafgesetzbuch: StGB

Kommentar

München: Vahlen, 2. Auflage 2020. Buch. XXXVIII, 3065 S. Hardcover (In Leinen), 259,00 Euro inkl. MwSt.

ISBN 978-3-8006-4981-5

Das Werk ist Teil der Reihe: Vahlens Kommentare

 
Der Kommentarweist in zweiter Auflage erneut einen deutlichen Praxisbezug auf und erläutert insbesondere Themen, die in anderen Kommentaren eher gestreift werden. Dabei werden die Perspektiven der Staatsanwaltschaft, der Richter und der Verteidiger sowie der Strafrechtswissenschaft in einer interessanten Art und Weise in ein ausgewogenes Verhältnis gebracht. Es ist ein deutliches Anliegen des Kommentars besonders sehr aktuellen Entwicklungen nachzugehen, bei denen gesichertes Entscheidungswissen oftmals noch nicht vorhanden ist, weshalb auch die Gesetzesmaterialien intensiv einbezogen werden. Prägnant und gleichzeitig wissenschaftlich werden praktikable und konsensfähige Lösungsmodelle entwickelt.
Der Kommentar erläutert das gesamte Strafgesetzbuch prägnant und praxisorientiert, setzt  auf einen Schwerpunkt auf das Wirtschaftsstrafrecht. Bezüge zum Nebenstrafrecht und in Bezug genommene andere Rechtsbereiche werden soweit erforderlich stets hergestellt, so etwa bei den Umweltdelikten angesichts ihrer erheblichen Verwaltungsrechtsakzessorietät. Die Rechtsprechung wird im Detail ausgewertet, die Literatur hingegen nur in Schwerpunkten um die Darstellung nicht mit dogmatischen Diskussionen zu überlasten.
Die Erläuterungen weisen einen einheitlichen Aufbau aus und folgen dem klassischen Strafrechtssystem, so dass die Problemstellungen Tatbestandsmerkmal für Tatbestandsmerkmal abgearbeitet werden. Immer bedeutsamer werden dabei auch im Strafrecht die europarechtlichen Implikationen, besonders im Bereich des Wirtschaftsstrafrechts, etwa bei den Straftaten gegen den Wettbewerb, den Subventionsbetrug und den Insolvenzdelikten neben weiteren deutlichen Einflüssen. Die Erläuterungen haben im Wesentlichen den Stand von Spätherbst 2019.
Moderne Entwicklungen des Strafrechts werden kritisch analysiert. Besonderes Augenmerk legt das Werk auf das Wirtschaftsstrafrecht, dessen Anwendungsbereich in den letzten Jahren immer weiter ausgeweitet wurde, nicht zuletzt vor europarechtlichem Hintergrund. Der konsequent einheitliche Aufbau der Kommentierung einschließlich sich aufdrängender strafprozessualer Fragen ermöglicht dem Nutzer den schnellen und direkten Zugriff auf die gesuchten Informationen. Die Erläuterungen gehen an geeigneter Stelle stets auf die Zusammenhänge mit dem Strafverfahrensrecht, besonders hinsichtlich des Beweisrechts und bei der Strafzumessung näher ein. Die Kommentierungen sind sehr stark auf einander bezogen und vermeiden Wiederholungen, wo dies ohne Nachteile für das Verständnis möglich ist. Die Erläuterungen arbeiten sehr stark mit Hervorhebungen, um den Blick des Lesers rasch auf das Wesentliche zu lenken.
Die Neuauflage beinhaltet umfassend die Neuerungen durch die Gesetze
  • zum neuen Sexualstrafrecht,
  • zur Bekämpfung des Menschenhandels,
  • zur Strafbarkeit von Sportwettbetrug,
  • zum Wohnungseinbruchdiebstahl,
  • zur Strafbarkeit nicht genehmigter Kraftfahrzeugrennen im Straßenverkehr,
  • zur Verbesserung der Information über einen Schwangerschaftsabbruch,
  • zur Änderung des Bundeswahlgesetzes,
  • zur Umsetzung der RL 2017/1371,
  • zur Reform der Psychotherapeutenausbildung,
  • das 2. Datenschutzanpassungsgesetz
  • sowie bereits erste Hinweise zum Gesetz zur Bekämpfung des Cybergroomings.

Die Erläuterungen überzeugen durch die Schwerpunktsetzung nach Praxiserfordernissen und aktuellen Entwicklungen. Das zentrale Anliegen des Kommentars ist nicht zuletzt dem Leser im Wettbewerb um die richtige Meinung sehr aktiv zu unterstützen, was den vielschichtigen Erläuterungen auch gelinkt, die oftmals neue Aspekte hervortreten lassen.

Besonders aktuell ist derzeit die Kommentierung zum Subventionsbetrug, die die ganze Schwierigkeit und Vielschichtigkeit dieser Materie hervortreten lässt, die einerseits eng mit europarechtlichen Regelungen verbunden ist, andererseits aber auch mit dem nationalen Subventionsrecht und insbesondere mit den Rückforderungsmöglichkeiten. Die Norm entwickelt aber einen eigenständigen, materiellen Subventionsbegriff, den Abs.7 regelt und damit insoweit keine Verwaltungsakzessorietät akzeptiert. Den hier erforderlichen Abgrenzungen und Disktinktionen wird sehr differenziert nachgegangen, um hier zu vernünftigen Ergebnissen. Diese detaillierte und prägende Kommentierung ist beispielhaft für die exzellenten Erläuterungen in diesem Band.

Wer bei strafrechtlichen Problemstellungen detaillierte Informationen auch zu sehr verzweigten und schwierigen Problemen sucht, wird in diesem ausgezeichneten Kommentar wahrscheinlich die entsprechenden Lösungsmodelle finden.

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