Juralit

Rezensionen juristischer Literatur

Praxiskommentar zum StaRUG

Pannen/Riedemann/Smid, StaRUG. Kommentar, Erstauflage, 2021, C.H.Beck

Eine Rezension zu:

Abbildung von Pannen / Riedemann | Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetz (StaRUG) | 1. Auflage | 2021 | beck-shop.de

Pannen/Riedemann/Smid (Hrsg.)

StaRUG

Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetz

Kommentar

Erstauflage

München: C.H.Beck, 2021, Buch. Hardcover (In Leinen), XXLIII, 908 S., 139,00 Euro inkl. MwSt.

ISBN 978-3-406-76948-1

Der neue Praxiskommentar zum StaRUG bezieht sich auf die deutsche Umsetzung einer EU-Richtlinie zum präventiven Restrukturierungsrahmen und bietet eine geschlossene Darstellung der Vorgaben zur Schaffung eines vorinsolvenzlichen Sanierungsverfahrens in Deutschland als Ergänzung der Insolvenzordnung. Die hier möglichen Maßnahmen sind einem Insolvenzverfahren vorgelagert. Diese Richtlinie ist am 14.06.2019 beschlossen worden und war binnen zwei Jahren in nationales Recht umzusetzen. Dies ist durch das StaRUG geschehen. Die Erläuterungen gehen intensiv auf den Richtlinientext ein. Die Richtlinie beruht im Kern auf der Erwägung, dass das derzeitige Insolvenzrecht um eine vorinsolvenzliches Verfahren ergänzt werden muss, was in den letzten Jahren vielfach gefordert worden war. Es ist ein Gesetz, dass Unternehmen und Unternehmerinnen und Unternehmen in Notlagen Möglichkeit einer Sanierung vor der Insolvenz an die Hand gibt.

Die Konzeption des StaRUG ergänzt die bisherigen Instrumentarien des Insolvenzplanes, dem Schutzschirmverfahren und ggf. der Eigenverwaltung  in der Insolvenz durch einen Restrukturierungsrahmen, der dem Schuldner ein von ihm ausgelöstes und maßgeblich gesteuertes Verfahren an die Hand gibt, mit dem erst noch Erfahrungen gemacht werden müssen. Dieser Bereich erschließt auch neue Beratungsfelder, nicht nur für Rechtsanwälte und Steuerberater.

Das nunmehr eingeführte vorinsolvenzliche Verfahren hat insbesondere zum Ziel sog. „Akkordstörer“ auszuschalten, da diese ihre Rechtsposition oftmals nutzen, um eine im Interesse der Gesamtheit der Gläubiger liegende Sanierung zu blockieren, um Sondervorteile zu erhalten, was in vielen Fällen auch gelingt. Um dies zu erreichen tritt an die Stelle des Einstimmigkeitsprinzips ein Mehrheitsprinzip, wie es prototypisch im deutschen Schuldverschreibungsgesetz enthalten ist. Das Verfahren nach der Richtlinie weicht in zahlreichen Punkten  von einem regulären Insolvenzverfahren ab und setzt überdies zeitlich vor der materiellen Insolvenz an. Die Insolvenzgründe (Zahlungsunfähigkeit und/oder Überschuldung) müssen noch nicht eingetreten sein. Das Gesetz gibt dem Schuldner modular nutzbare Optionen an die Hand, die etwa bei noch nicht drohende Überschuldung in einer Sanierungsmoderation bestehen kann oder bei drohender Zahlungsfähigkeit in der Erstellung eines Restrukturierungsplanes, was ohne qualifizierte Berater kaum zu leisten sein wird. Die nächsten Jahre werden zeigen, wie diese Möglichkeiten in der Praxis aufgegriffen werden.

Der neue Kommentar geht aktuell und praxisnah auf alle sich hier stellenden Beratungsaspekte ein und enthält eine umfangreiche Darstellung der recht­lichen Entwicklung des nationalen ­präventiven Restrukturierungsrahmens. Er erläutert präzise die Anforderungen an Restrukturierungspläne und -konzepte unter dem StaRUG sehr praxisnah. Alle Verfahrensabläufe werden detailliert ­grafisch dargestellt.

Die Neuerscheinung erläutert das StaRUG – mit seinen Verbindungslinien etwa zum Gesellschafts-, Insolvenz- und Steuerrecht – vollständig und umfassend, und bietet darüber hinaus auch einen Einblick in die Entwicklung der europarechtlichen Vorgaben der letzten Jahre, welche die Grundlage für die nationale Umsetzung gelegt haben. Dazu wird immer wieder auf die europarechtlichen Rechtsgrundlagen zurückgegriffen. Zudem enthält das Werk eine Kommentierung der für den präventiven Restrukturierungsrahmen relevanten Vorschriften der Insolvenzordnung sowie einen umfangreichen Anhang mit einer vertieften Kommentierung der Restrukturierungsrichtlinie, Länderberichten zur Umsetzung in den Mitgliedstaaten und einer Kommentierung zu Schuldverschreibungen und Schuldscheindarlehen unter dem StaRUG.
Die neue Kommentierung ist sehr fundiert und praxisnah. Die neuen Vorschriften, u.a. zur Krisenfrüherkennung und zum Krisenmanagement, zum Stabilisierungs- und Restrukturierungsrahmen und zur Sanierungsmoderation werden umfassend kommentiert. Eine Kommentierung, die einen hohen wissenschaftlichen Anspruch verfolgt, ohne zugleich die Relevanz für Praktikerinnen und Praktiker aus den Augen zu verlieren.

Die neue Kommentierung geht auf die auslösenden Voraussetzungen und die nunmehr geschaffenenen Möglichkeiten sehr strukturiert ein. Die Erläuterungen setzen klare Schwerpunkte, insbesondere bei dem Restrukturierungsplan und den Restrukturierungs- und Satabilisierungsinstrumenten. Es ist das Ziel solcher präventiver Restrukturierungsmaßnahmen es gar nicht erst zu einer – meist schädlichen – Insolvenz kommen zu lassen. Im Zentrum stehen die einzelnen Restrukturierungsmaßnahmen finanzieller Art, die oftmals das Ergebnis langer Verhandlungen sind und nach der Richtlinie eine Eigenverwaltung voraussetzen. Ergebnis dieses Verfahrens soll idealerweise ein von der betroffenen Gläubigergruppe mit Mehrheitsbeschluss angenommener und vom Gericht bestätigter Restrukturierungsplan sein. Dies verhindert auch die Notwendigkeit einer Verlagerung des Sitzes in Länder mit einer günstigeren Rechtsordnung, was für kleine bis mittlere Unternehmen kaum zu leisten ist. Es liegt auf der Hand, dass die Verhandlung solcher Maßnahmen ein erhebliches Maß an Diplomatie verlangen. Die Konzeption dieses Gesetzes ist auf die Herstellung wirtschaftlicher Konsensergebnisse ausgelegt, die allen Seiten eine wirtschaftliche Betrachtungsweise abverlangen. Dieses Thematiken werden in diesem Kommentar eingehend erläutert, so dass auch das „Wie“ hier eingehende Berücksichtigung durch Spezialisten auf diesem Sektor erfährt.

Darüber hinaus untersucht der Kommentar auch die Auswirkungen auf das Gesellschaftsrecht, das Insolvenzrecht und insbesondere auch das Konzernrecht. Die Darstellung hat den aktuellen Stand.

Die Neuerscheinung ist besonders geeignet für Insolvenzverwalter, Sachwalter, Sanierungsberater, Berater und Vertreter von Unternehmen, Insolvenzrichter sowie Wissenschaftler. Die Kommentierung bietet eine besonders praxisgerechte Möglichkeit die neuen Vorschriften erfolgreich in der Praxis umzusetzen.

 

Diese Seite verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Nähere Informationen dazu und zu den Rechten als Nutzer finden sich in unserer Datenschutzerklärung. Mit der weiteren Verwendung stimmen die Nutzer der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzerklärung